Wienergassenblues 2011

ALLES BLUES

BRUCK / DIE Bluesstimme Österreichs, Reitende Noten, Rollende Steine Unplugged und die Marius Dobra Band am Freitag, ein pannonisch Behuteter, bebrillte Hunde, Big Daddy’s und bluesrockende Tiroler am Samstag boten Sensationelles für Aug und Ohr beim diesjährigen Brucker Bluesfestival.
Hier die Chronologie zweier außergewöhnlicher Abende. Begonnen haben beide – ganz abseits des Musikalischen gleich: mit Regentropfen, kühlem Wetter und der Entscheidung der Veranstalter: Ab auf den Hopfnbod‘n, ab ins Stadttheater! Wir finden: Gut war‘s!
Am Anfang stand die Band der ersten Wienergassen-Blues-Stunde: die Riding Notes reloaded mit Rockröhre Daniel Hajda und Keyboarder Mr. Taro, Gerald Straus, die mit ihrem neuen Programm quer durch alle Bluesstile die Stimmung anheizten.
Danach übernahmen die Brucker Versionen von Mick Jagger und Keith Richards, die Stones Unplugged, die mit bluesigen Songs der Rolling Stones aus den 60er- und 70er-Jahren echte Kassenschlager verbreiteten.
„In the name of Soul and Blues“ ging es weiter, mit dem Hauptact des Freitagabends, die Organisatoren Wolfgang Stinauer und Thomas Bauer präsentierten „die vielleicht stärkste Blues-Stimme Österreichs“, Meena Cryle. Flankiert vom Gitarristen Chris Fillmore zeigte Cryle große Gefühle zwischen Sehnsucht, Hingabe, Trauer und Ekstase.
Geschlossen wurde der Abend vom rumänisch-burgenländischen Marius Dobra, der kraftvollen Blues-Rock mit feinen Fusion-Einflüssen auf den Hopfnod‘n brachte.
Über Hunde, große Daddies  und Tiroler Heumilchkäse
Erster Programmpunkt am Samstagabend: Christian Prechtl, der Musiker aus der pannonischen Tiefebene, überzeugte mit hervorragendem Bottleneckspiel und seiner bluesigen, erdigen Stimme. Kein fades 3-Akkord- „Gehacke“. Prechtl, ein wahrer Könner seines Faches, seinem Publikum stets zugetan. Seine „Friends“ fanden sich nach und nach auf der Bühne zur Session ein, brachten das ehrwürdige Haus mit einer richtig eingesetzten Dosis Rock’n’Roll zum Köcheln. Guter Auftritt, Herr Prechtl und toller Hut!
Nummer 2 im Programm: „D`Hund im Regn“, die Formation um den Bruckneudorfer Andreas Bankhofer. Diesen Auftritt mit ein paar Zeilen zu beschreiben, geht lediglich auszugsweise. Bankhofer betritt saxspielend die Bühne in Begleitung zweier grimmig dreinschauender Herren, welche in schwarzen T-Shirts gewandet und sonnenbebrillt Herrn Bankhofer zu seinem Mikrofonständer begleiten, um anschließend am Bühnenrand statisch zu verweilen. Die Affinität, welche Bankhofer mit seinen hervorragenden Musikern zu Tom Waits pflegt, ist unüberhörbar, ohne jedoch kopiert zu wirken. Bankhofer singt in einer für alle Anwesenden verständlichen Sprache, dem Dialekt, er weiß damit umzugehen.
Die Ver- und Bekleidungen des Bandleaders sind Teil einer perfekten Inszenierung . Die Musik, eine Antithese an die musikalische Perfektion. Schräge Töne und trotzdem kein falscher dabei, der Genuss war auf unserer Seite. Ihr könnt auch kommen, wenn die Sonne scheint. Löst garantiert keine Hundeallergie aus. Zwei Acoustic-Gitarristen, einer sitzt links, einer rechts, in der Mitte er: Big Daddy Wilson samt Conga. Der in Deutschland lebende Musiker hatte von der ersten Minute an das Publikum an seiner Seite. Big Daddy Wilson spielte keinen wehleidigen Blues, er zelebrierte und genoss es, auf diesem Festival zu spielen. Die Gitarrenarbeit war meisterlich: Slide- und Leadgitarre wechselten mit Spielfreude ab. Mister Wilson ist ein Innovativer seines Genres, er fordert und gibt mehr zurück als man sich erhofft. Der Big Man hatte jedoch noch ein Ass im Ärmel, seinen Überraschungsgast: Mister Taro, Gerald Straus an den Tasten. Straus orgelte drei Stücke mit, als gäbe es kein Morgen mehr. Den gerechtfertigterweise geforderten Zugaberufen wurde gern nachgegeben. Big Gig Daddy, big Gig!
Als letzter Programmpunkt dann die Tiroler Band „Roadhouse“. Diese Formation bewies, dass ihr Bundesland mehr zu bieten hat als Heumilchkäse und die Inntalautobahn. Bluesrock von SRV, ZZ Top, Led Zeppelin u.s.w. wurden in einer für diese Musik klassischen 3er-Besetzung durch die Boxen gejagt. Ein würdiger Abschluss!
Die Organisation war perfekt, die Umbaupausen kurz, der Sound und das Licht ausgezeichnet. Ein tolles Team, die Leute von den Bluesfriends!

© 2011 Erwin Krammer & Tina Schmoranz / NÖN