Wienergassenblues 2012

„THE BLUES IS ALRIGHT“

WIENERGASSENBLUES / Hochsommerliche Temperaturen, Blues in alles Facetten und hervorragende Musiker sorgten für heiße Abende beim 4. Brucker Bluesfestival am 29. und 30.Juni 2012.

BRUCK / Die „Bluesfriends Bruck” rund um Wolfgang Stinauer und Thomas Bauer dürfen zufrieden Bilanz ziehen: Das 4. Brucker Bluesfestival war ein erfolgreiches Fest: Ein abwechslungsreiches musikalisches Programm, in dem die mannigfaltigen Facetten des Blues gut zur Geltung kamen, dargeboten von durch die Bank versierten bis außergewöhnlichen Musikern.
Angefangen vom gefühlvollen, ursprünglichen Delta Blues des Duos Prechtl & Straus, das das Festival eröffnete, gefolgt vom Groove Department, das mit traditionellen Blues-Nummern das Publikum begeisterte.
Die Stimmung weiter angeheizt hat „Wo samma?“, nicht zuletzt als prominent besetzte Lokalband mit Prellenkirchens Bürgermeister Johann Köck am Schlagzeug, Internist Helmut Szankovich und Arbeitsinspektor Wolfgang Haasz an den Gitarren sowie Fotograf Emmerich Mädl am Bass. Neben Rockklassikern der 60er und 70er Jahre entpuppte sich Sänger Kurt Fobich vor allem als perfekter Interpret von Kurt Ostbahn-Nummern. Absolutes Highlight des ersten Tages war aber das Trio Johnny Favourit. Frontman Günther Liebetegger alias Johnny behauptet von sich, „immer nur im fünften Gang wegzufahren“, und das tut er zumindest an seiner Gitarre: Highspeed-Rock´n´Roll, der die Zuhörer im wahrsten Sinn von den Bänken reißt. Dazu Bassist Francis Lirsch, der den Kontrabass wie ein Lasso schwingt und in allen (Lebens-)lagen an den Saiten reißt. Dagegen wirkte Drummer David Pernsteiner richtig cool.
Hervorragend auch die Gäste auf der Bühne, Martin Sedlinger an der Mundharmonika, Robert Michal als Sänger und die Saxophonistin Nina Dvorak.
Tag Zwei, der als Open Air in der Wiener Gasse über die Bühne ging, wurde durch „Guitars Only“ mit besten Hardrock-Klängen im Stile der Allmann Brothers und Led Zeppelin eröffnet: Blues in kräftigem Stromgitarren-Sound. Das steht den Mannen um Bandleader Walter Hof auch besser als poetisch-erzählende Bluesnummern, auch wenn seine Frau Susanne Hell dabei mit beachtlichen Stimmqualitäten aufhorchen lässt.
Highlight des Festivals war – zumindest für Freunde exquisiter Bluesmusik – der Auftritt des Quartetts Joachim Palden, Hermann Posch, Dani Gugolz und Peter Müller. Die vier heimischen Bluesgrößen von internationalem Rang sind in Bruck überhaupt erstmals gemeinsam aufgetreten und bewiesen, dass Blues weit mehr ist als melancholische Balladen aus dem Mississippi-Delta. „The Blues ist alright!“, verkündete Sänger und Gitarrist Posch lautstark. In ihrem knapp zwei Stunden dauernden Auftritt gaben die vier einander immer wieder die Möglichkeit, mit virtuosen Soli ihr Können zu demonstrieren.
Nach so viel Präzision schien es schwierig, noch etwas draufzusetzen. Dass dies G.G. King und seiner Bluesband gelang, lag nicht zuletzt am attraktiven Soundwechsel. Die drei Bläser des Ensembles, Martin Huber, Lukas Zimmer und Josef Fuchsberger, lieferten Bluesstandards in einem überraschend dichten Bigband-Sound.
(Otto Havelka / NÖN)