Wienergassenblues 2014

In Bruck regiert der Blues

Festival | Das 6. Brucker Blues-Festival bot ein abwechslungsreiches Programm mit einigen Highlights.
Sein Auftritt war – zumindest für Freunde des Blues – mit Sicherheit der Höhepunkt des diesjährigen Festivals: Der US-Amerikaner Big Daddy Wilson lebt den Blues. Wenn der korpulente Bluesman mit Hut und Gitarre breitbeinig auf der Bühne Platz nimmt und mit seinem dunklen Bariton in „Hard days work“ die Arbeit auf den Tabakplantagen in North Carolina besingt, dann lässt er auch die Zuhörer die Mühen der Landarbeiter spüren. Und wenn er den „Texas Boogie“ über eine 350 Pfund schwere Schönheit auf der Tanzfläche anstimmt, ist das ebenso authentisch wie die intime Liebeserklärung „Anna Mae“. Großartig begleitet wurde Wilson von Blues-Gitarrist Ripoff Raskolnikov und seiner Band.
Ein erfrischendes Kontrastprogramm präsentierten „Chino & The Big Bet“. Der in Spanien lebende Argentinier Hernen Senra (alias „Chino“) ist hierzulande ein noch unbeschriebenes Notenblatt. Vor einem Jahr belegte er mit seiner Band bei der „European Blues Challange“ in Toulouse aber den zweiten Platz. Das Trio besteht nicht nur aus exzellenten Musikern, sondern es beweist auch Witz: Ein bisschen Swing, ein bisschen Jazz, ein bisschen Nostalgie- Sound der 30er Jahre – und dazwischen geht die Post ab.
Dass die beiden Musikabende am Freitag und Samstag wohltuende Festival-Atmosphäre boten, hatte neben den beiden Highlights auch noch viele andere Gründe. Zum einen wurde das Programm mit insgesamt acht Bands stringent durchgezogen, zumal um Mitternacht laut Vorgabe der Gemeinde mit der Musik Schluss sein musste. Zum anderen wurde von allen Formationen wirklich gute Musik geboten. „Mark & Friends“ mit den Brüdern Markus und Roland Stinauer begeisterte erneut mit dem Gesangsduo Raphael Widmann und Dorina Garuci. Die Hermann Posch Blues Band legte ordentlich nach, überraschte mit einer feinen Nummer der Jazz-Legende Miles Davis und setzte mit der Zugabe „She´s the devils woman“ einen herrlich fetzigen Schlusspunkt. Stimmungsvoller Abschluss des ersten Abends: Die „Präsidenten“ in weißen Sakkos – unter ihnen auch der Brucker Musiklehrer Manfred Kröpfl – servieren Rock´n´roll vom Feinsten. Von B. B. King bis ChuckBerry, von Elvis bis J. J. Cale.Erlebenswert war auch der Auftakt am Samstag mit „Reverend Frank TT und Bayou Drive“. Reverend Frank ist nicht nur optisch ein Erlebbnis. Sein ausdrucksstarker Blues- und Bikerrock, versetzt mit einigen Funk-Akzenten, kann sich gerne hören lassen. Schwer hatte es die junge Hardrock-Truppe „The Veins“ als letzter Act. Aber nach Big Daddy Wilson hat man´s eben schwer.
Otto Havelka, Kulturredakteur NÖN