Wienergassenblues 2015

Wienergassen-Der Blues und der Wetterfrosch
Wienergassen-Blues | Der Sound war nahezu perfekt. Nur die Wettervorhersage sorgte für Misstöne.
BRUCK | Es begann mehr als Erfolg versprechend und hätte in einem großen Happening enden können. Die Organisatoren des bislang 7. Brucker Bluesfestivals dürfen in ihren Annalen in dicker Schrift festhalten, wieder einen Schritt vorwärts getan zu haben. An beiden Tagen wurde mit einem durchwegs hochklassigen Programm aufgewartet. Einen dezenten Strich durch die Erfolgsrechnung machte die Austro Control, die als berufene Stelle für das Flugwetter am Samstag ziemlich heftige Regenschauer für etwa 20 Uhr prognostizierte. Daher wurde das Open Air kurzerhand zu einem Indoor-Konzert am Hopfnbod´n umfunktioniert. Das tat zwar der Qualität keinen Abbruch, aber dem Interesse des Publikums, das es zu einem Großteil vorzog, den Blues aus Entfernung im Freien zu genießen. – Schade, denn die Akteure hätten sich auch ohne Wettervorhersage mehr Publikum verdient.
Flotter Durchlauf durchs Programm: Nach einem Jahr Pause sorgte wieder die Musikschule Bruck für das Opening des Blues-Festes. Hermann Bosch und Christian Sandera lieferten kräftigen und erdigen Blues ab und hatten auch ein paar Besonderheiten auf Lager: Einen wahrlich getragenen Blues des als fetzig bekannten Rock´n´rollers Chuck Berry.
Die Highlights: Peter Kern gilt fast schon seit Jahrzehnten auch international zu den begnadetsten Interpreten des Chicago- Blues. Der charismatische Gitarrist schafft es, das Publikum in jeder Lage für sich zu gewinnen. Mit seiner neu formierten Band verzaubert er nicht nur Bluesfriends. Juraj Schweigert – Gewinner der „Blues Challenge“ – sorgte für einen authentischen Abschluss des ersten Abends.
Griffig erwies sich die um eine Stunde verzögerte Eröffnung des zweiten Festival-Tages. „The Lettners“ – ein Duo mit Akustikgitarre und Mundharmonika vermittelte „Shellac-Sound“ und alte Blues-Tradition. Bejubelt wurde auch der Auftritt von Yves Blue: Stephan Gleixner, Goran Mikulec, Willi Langer, Christian Wegscheider und Christian Ziegelwanger. So richtig abgeholt hat das Publikum aber der australische Blues-Rocker Rob Tognoni: Strom-Gitarre pur in bester Tradition der Pioniere wie Jimi Hendrix oder Pete Townshend (The Who). Energiegeladen, verschwitzt, ein bis zum Nabel offenes Hemd – so würgt Tognoni seine Gitarre bis zur Ektase. Da noch eins drauf zu setzen, ist schwierig. Dennoch: Markus Stinauer und seine Freunde – darunter die stimmgewaltige Albanerin Dorina Garuci – sorgten für einen würdigen Ausklang des Bluesfestes.
Die Ironie am Rande: Fast mit dem letzten Ton fielen die ersten Regentropfen.
Otto Havelka (NÖN-Kultur-Redaktion)
„Das ist meine Welt“
Interview | Der australische Blues-Rocker Rob Tognoni will in Europa Furore machen.
Mit seiner exzessiven Bühnenshow im Stil der „Woodstock- Helden“ sorgt Rob Tognoni für Begeisterungsstürme bei seinem Publikum.
NÖN: Wie kommt ein australischer Blues-Rocker zum Blues-Fest nach Bruck?
Rob Tognoni: Ich wohne seit vier Jahren mit meiner deutschen Ehefrau in Aachen. Daher versuche ich jetzt, in Europpa als Musiker Fuß zu fassen. Auch in Österreich gibt es eine interessante Szene.
Ihre Auftritte erinnern stark an die Zeiten von Woodstock. Exzessiver E-Gitartrensound bis die Saiten glühen …
Tognoni: Das ist das schönste Kompliment, das Sie mir machen können. Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen. Das ist meine Musik. Abgesehen von einer Nummer (Anmerkung der Redaktion: Hey Joe von Jimi Hendrix) spiele ich nur Eigenkompositionen.
Sie sind 51 Jahre alt. Ihr energiegeladener Bühnenauftritt ist dennoch phänomenal.
Tognoni: Ja, ich bin noch ziemlich fit. Das liegt auch an der Musik, die ich mache. Aber natürlich weiß ich mit 51, dass das nicht ewig so sein wird. Deshalb möchte ich jetzt noch einmal richtig Gas geben.
Das Interview führte Otto Havelka von der NÖN-Kulturredaktion